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abgrundtief

Größere Renovierungsarbeiten im Esszimmer stehen an. Mein Zahnarzt begutachtet nochmal die ‚erhaltungswürdigen‘ Zähne und fragt etwas irritiert, was das für eine Verdickung an der Zunge sei, seit wann ich die habe, ob sie mich behindere und ob sie sich in letzter Zeit verändert habe. All das mit seinen Fingern und Instrumenten in meinem Mund.

Nun, ich weiß nichts von einer Verdickung, jedenfalls behindert sie  mich nicht. Abklären lassen sollten Sie das auf jeden Fall, legt er mir nahe. Und lässt die nächsten Behandlungstermine offen.

Zu Hause vergesse ich erst mal mir die Zunge anzusehen, denn ich muss unbedingt eine günstige Fernbus- oder Zugverbindung finden – ich  muss meinen Enkel wieder mal anhimmeln und rumschleppen. Ich verbringe also ein paar entspannte, wunderschöne Tage bei der jungen Familie.

Natürlich befrage ich Herrn Google zu dem Thema Verdickung an der Zunge und komme unweigerlich auf Zungenkrebs bzw. Mundhöhlenkrebs. Aber bevor ich auch nur beim Hausarzt war, möchte ich mich nicht belasten, und der kleine Mann, der inzwischen brabbelt und mich anstrahlt, lenkt mich hervorragend ab.

Wieder zu Hause, am Wochenende, läuft das Internet heiß. Ich finde Bilder, Berichte, Diagnosemöglichkeiten, Prognosen.

Niederschmetternd. Obwohl ich ja noch gar nicht beim Arzt war.

Niederschmetternd. Obwohl mir dann Alzheimer erspart bliebe.

Niederschmetternd. Obwohl meine Kinder längst auf eigenen Beinen stehen und Ehepartner haben, die sie in jeder Hinsicht stützen.

Niederschmetternd. Obwohl die Palliativmedizin riesige Fortschritte seit der Erkrankung meiner Mutter vor 20 Jahren gemacht hat.

Niederschmetternd. Obwohl finanziell kein Desaster auf uns oder die Kinder zukäme.

Niederschmetternd. Obwohl es sowohl hier als auch in der Nähe meiner Tochter Hospize gäbe.

Alles ist niederschmetternd, ein einziger Abgrund. Ich möchte gesund sein, ich möchte mich am Weg meiner Kinder und Enkel erfreuen, ich möchte das Geld für viele schöne Reisen und ein entspanntes Leben ausgeben….

Knapp zwei Wochen lang geht mir ein bestimmtes Körperteil auf Grundeis, bis Entwarnung kommt. Glück gehabt. Unendliche Erleichterung.

 

Dies ist mein dritter Beitrag zum Projekt *.txt von Dominik Leitner. Vielen Dank für Deine Initiative!

26.2.15 17:42

Letzte Einträge: Geschafft, Zum Jahreswechsel, Kalt und rau, Kalt und glatt, So war 2016

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Tocht I. (11.3.15 19:32)


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