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Von Schalstrickprojekten zu Erinnerungen an meine Mutter

In letzter Zeit stricke ich leidenschaftlich gerne Schals. Die werden echt schön und ich schlafe vor dem Fernseher nicht ein, erzählt mir meine Schwester.

Trägst du denn Schals? wundere ich mich. Ich möchte nicht gerne was am Hals haben.

Ich auch nicht. Ich lasse die halt eine Zeitlang bei uns rumliegen und dann kommen sie zur Altkleidersammlung.

????

Na, ich gehe doch davon aus, dass diejenige, die den Schal nimmt, den aufröbbelt und sich was Schönes, Brauchbares daraus strickt.

Ja, schießt es mir durch den Kopf, so clever war unsere Mutter auch und hat wohl dadurch ihr Leben gerettet.

Meine Mutter war eine sog. Auslandsdeutsche, Donauschwäbin genauer gesagt. Ihre Vorfahren besiedelten während der Habsburger Herrschaft die Batschka und machten sie urbar. Ende des zweiten Weltkrieges, als Russland die Batschka annektierte, wurden die jungen, arbeitsfähigen Frauen deportiert. Meine Mutter wurde „zum Ernteeinsatz“ gebracht, und da sie per Bahn transportiert wurden und sie die Zeit nutzen wollte, nahm sie ihr Strickzeug mit; sie hatte Söckchen für meinen 4-Jährigen (Halb-)Bruder angefangen und wollte sie fertig stricken.

Nun, sie wurden in Viehwaggons verfrachtet, viele überlebten die tagelange Fahrt bei Minusgraden im eisigen Waggon nicht, und der Ernteeinsatz erwies sich als Zwangsarbeit im Kohlebergbau im Ural.

Täglich gab es Tote, die in einem Schuppen gelagert wurden, bis sie von den Russen abgeholt wurden. Wer freiwillig ging, um die Toten auszuziehen und zu lagern, bekam eine extra Kelle Krautsuppe, erzählte meine Mutter. Also half sie.

Sie hatte Stricknadeln dabei. Sie zog den Toten die Wollsachen aus, von Strümpfen bis Unterhosen, röbbelte sie auf und strickte Handschuhe für die Lageraufseher. Dafür bekam sie immer wieder mal eine Handvoll Sonnenblumenkerne…. und überlebte.

Meine Mutter war übrigens 22 Jahre jung als sie nach Russland deportiert wurde. Meinen Bruder, der in ein Internierungslager für Kinder gebracht worden war, sah sie neun Jahre später wieder…. in Bayern.

7.3.15 19:59

Letzte Einträge: Geschafft, Zum Jahreswechsel, Kalt und rau, Kalt und glatt, So war 2016

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Tocht I. (11.3.15 19:37)
Macht nachdenklich....:-(

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