BILDER, TEXTE UND LINKS: alle bilder und texte dieser seite sind, insoweit nicht anders gekennzeichnet, von mir verfasst und unterliegen somit meinem copyright. die benutzung meiner bilder und texte bedarf meiner zustimmung. für die inhalte von mir verlinkter seiten übernehme ich, trotz anfänglicher sorgfältiger kontrolle, keine haftung, sondern distanziere mich hiermit ausdrücklich von ihnen. für die inhalte aller von mir verlinkter seiten sind ausschließlich deren betreiber verantwortlich.

Links

Letztes Feedback





 

gleich

„Gleich kommt der Arzt“, versuchte mich die Krankenschwester in der Notaufnahme der Frauenklinik zu beruhigen. Nach fünf Wochen in einem 8-Bettzimmer bei strengster Bettruhe und unzähligen Litern Wehenhemmern, verlor ich dann leider doch mein erstes Kind. Es kam mit fünf Monaten in einer Bettpfanne zur Welt, weil ich es nicht gewagt hatte, schon wieder einer abgehetzten, überarbeiteten Schwester zu klingeln. Sehen durfte ich mein Töchterchen nicht, und bis heute quält mich die Frage, was mit dieser kleinen Mädchenleiche passiert ist.

„Gleich kommt der Arzt“, hoffte die Hebamme im Kreiskrankenhaus. „Ich habe einen Termin beim Augenarzt und will den nicht schon wieder verschieben“ erklärte sie. „Sie sind noch nicht so weit, aber das sagt Ihnen der Doktor auch gleich.“ Sicherheitshalber blieb ich im Krankenhaus, bezog ein Einzelzimmer, mein Mann fuhr zurück ins Büro – und dann musste die Hebamme doch ihren Termin beim Augenarzt verschieben. Ruckzuck wollte mein properer, großer Sohn seine Mama sehen.

„Gleich kommt der Arzt“, atmete die Krankenschwester im Kreiskrankenhaus auf. „Er ist wegen einer anderen Geburt schon im Haus. Haben Sie Ihre Hebamme schon gerufen?“ Hatte ich nicht, denn mein Mann war der Meinung, es sei noch viel zu früh um aufzustehen, und ohne Frühstück könne er sowieso nichts machen. Also frühstückten wir erst noch (relativ) gemütlich, bevor wir die zwei Kilometer ins Krankenhaus fuhren. Während die Schwester die Hebamme anrief, schickte ich meinen Mann nach Hause. Schließlich war unser knapp eineinhalb Jahre alter Sohn alleine. Zwar schlief er noch, aber wer konnte schon abschätzen, wie lange die Geburt dauern würde. Nun, die Hebamme konnte gerade noch ihren Mantel ausziehen, da krähte auch schon meine Tochter.

Meine Geburten. Meine Kinder. Mein Stolz. Mein Glück. Meine Trauer. Die süßesten Babys der Welt. Allerdings nicht mehr uneingeschränkt, seit sich Enkel eingestellt haben :-D

 

Dies ist mein fünfter Beitrag zum Projekt *.txt von Dominik Leitner. Vielen Dank für Deine Initiative!

24.4.15 21:09

Letzte Einträge: Geschafft, Zum Jahreswechsel, Kalt und rau, Kalt und glatt, So war 2016

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL