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Landgasthof mit eigener Metzgerei

Wir haben vor einigen Tagen beim Discounter bei einem Sonderangebot zugeschlagen: 500 g Putenschnitzel. Den Preis weiß ich nicht mehr, muss aber günstig gewesen sein, da ja Sonderangebot ;-)

Heute freute ich mich auf sowas Ähnliches wie Thailändisch: Geschnetzeltes Putenfleisch, alle möglichen Gemüsesorten(reste), die so rumlagen, Kokosmilch, viel, viel Curry und Thai Curry. Dazu Reis. Zuerst briet ich also das Fleisch an. Von wegen zuerst! Zuerst schwammen die Schnitzelschnetzel im Wasser, aber allmählich verdunstete das Wasser und sie nahmen Farbe an. Aus 500 g Putenschnitzel waren 310 g angebratene Putenschnetzel geworden! Nie wieder Fleisch vom Discounter, hab ich mir geschworen. Nur noch Fleisch vom Metzger, jawoll! Konsequent!

Obwohl …. so super ist das mit der Metzgerei auch nicht immer.

Als vor knapp eineinhalb Jahren mein Enkel zur Welt kam, wollte und musste ihn so schnell wie möglich in die Arme nehmen und willkommen heißen und mich vergewissern, dass meine Tochter die Geburt gut überstanden und alles im Griff hat. Mich bei der jungen Familie einzuquartieren kam nicht in Frage, also beschloss ich, im Gasthof im Ort ein Zimmer zu nehmen. Diesen Gasthof kenne ich seit vielen Jahren, und wir trafen uns dort zu so mancher Familienfeier. Nicht nur das Angebot für Vegetarier und Veganer ist überraschend hoch (und gut!), wir Fleischesser haben immer die hervorragende Qualität des Fleisches zu schätzen gewusst. Zum Gasthof gehört eine eigene Metzgerei, in der nur Fleisch aus regionaler Haltung und von ausgewählten Bauern geschlachtet und verarbeitet wird.

Die Zimmerpreise in diesem Landgasthof sind human, also reservierte ich dort ein Einzelzimmer.

„Wir können Ihnen nur noch ein Zweibettzimmer geben, die Einzelzimmer sind doch nicht frei“, bedauerte die Chefin als ich eincheckte. „Am Montagabend kommen die Monteure wieder, da müssten wir dann weitersehen, wenn Sie länger als zwei Nächte bleiben wollen.“

Oh mein Gott! Dieses Zimmer war kein Zimmer, höchstens eine Kammer. An den Seiten standen die Betten, dazwischen ein schmaler Gang, gerade breit genug, um ein Nachtkästchen unterzubringen. Ein Kleiderschrank und ein Eckregal mit einem Fernseher drauf, eine Deckenfunzel und eine Nachttischlampe, das war die ganze Einrichtung in diesem sogenannten Zimmer. Das Bad war neu und geräumig. Das Fenster ging zum Hof. Die Betten waren sauber. Da ich ohnehin nicht Urlaub in diesem Zimmer machen wollte, bezog ich es. Ich schlief abends schnell ein und schlief durch bis der Wecker schrillte.

Das Frühstück am Sonntagmorgen genoss ich. Der Frühstücksraum war voll mit Wandergruppen, alle waren bestens gelaunt, der Kaffee war gut, das Angebot des Buffets reichlich, und vor allem gab es hervorragende Wurstwaren – aus eigener Metzgerei, wie ich ja wusste.

Am Sonntagabend fiel ich müde ins Bett und schlief auch wieder prompt ein. Um fünf Uhr morgens war die Nacht leider vorbei. Ich hörte es klappern und scheppern, Männer unterhielten sich, dann kamen laute Kommandos, dann rumpelte es im Hof. Das plötzliche laute Quieken mehrerer Schweine überraschte und schockte mich. Nicht dass ich keine schreienden Schweine gekannt hätte, aber ich hatte in diesem Gasthof in dieser Kammer einfach nicht damit gerechnet. Es klapperte und schepperte und quiekte und schrie dort unten im Hof, es war schier unerträglich. Dann war innerhalb weniger Minuten Ruhe. Tödliche Stille. Bis ich die Sägen und das Schlagen der Beile hörte. Es war nicht mal eine Stunde vergangen seit ich aufgeweckt worden war, aber an Schlafen war nun auch nicht  mehr zu denken.

Endlich konnte ich gegen acht Uhr runter zum Frühstücken. Am Sonntag war dieser Raum noch voller Leben, jetzt am Montag war ich allein. Kein Kaffee, kein Frühstücksbuffet, weit und breit keine Menschenseele. Nach einiger Zeit machte ich mich auf die Suche und sah einen Metzger über den Hof laufen.

„Ist keine Bedienung oder so hier? Ich wollte frühstücken.“

Er ging mit mir zurück ins Lokal, öffnete die Tür mit der Aufschrift PRIVAT und rief „Chefin! Dao is aane zum Frejschtüggn!“

Kurz drauf kam die Chefin und brachte mir Kaffee, Brötchen, Marmelade, Wurst. Auf die Wurst hatte ich absolut keinen Appetit, und als sie mich fragte, ob ich gut geschlafen habe, konnte ich nur mit dem Kopf schütteln und ihr von den schreienden Schweinen erzählen.

„Das ist halt so, dass die schreien vorm Schlachten. Aber geschlachtet werden müssen die halt auch, wenn Sie eine gute Wurst haben wollen.“ Ich hätte schließlich sagen können, dass ich nicht neben dem Schlachthaus schlafen möchte …

Verlängert habe ich meinen Aufenthalt dann nicht mehr. Meiner Tochter ging es soweit gut, sie und mein Schwiegersohn hatten alles im Griff, und der kleine Enkel war (und ist!) ein Prachtjunge.



9.2.16 19:53

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