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Barcamp Soziale Arbeit 2016

Am 28. und 29. November durfte ich am Barcamp Soziale Arbeit in Bonn teilnehmen. Für mich war es sehr verlockend, als ich davon auf Facebook las, denn mein Sohn und sein Partner gehörten zu den Organisatoren und es befasste sich mit dem Themenbereich, in dem meine Tochter arbeitet. Nicht nur zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, sondern auch Anlass, wieder mal das ruhige, traute Heim zu verlassen, Neues zu erleben und vielleicht sogar neue Impulse zu bekommen.


Alle (außer meinem Sohn) fragten mich im Vorfeld erstaunt:

Was ist ein Barcamp?

Daher zitiere ich die Erläuterung des Veranstalters bonn.camp

Ein Barcamp, auch Unkonferenz genannt, ist ein offenes Format für Workshops oder Tagungen, bei der die Teilnehmenden am Anfang des Tages selbst bestimmen, was die Inhalte des Tages sein werden. Barcamps sollen eine spontane und unkomplizierte Zusammenkunft von Menschen sein, die sich zu Themen austauschen und diskutieren wollen.

Erfunden wurde das Format der Barcamps in den USA, im Silicon Valley, was dazu führte, dass die Themen ursprünglich sehr technisch orientiert waren und als „Nerd-Veranstaltung“ bewertet wurden. Das hat sich in den letzten Jahren zunehmend verändert. Barcamps gibt es heute zu einer Vielzahl von Themen, zum Beispiel Tourismus, Medizin, Kultur oder auch Handarbeit.


Wie läuft das ab?

So:

Montag, 28.11.2016, 12:45 Uhr

Überpünktlich stehe ich mit meinem Köfferchen im Eingangsbereich des Gustav-Stresemann-Instituts und werde umgehend von einem der Organisatoren begrüßt. Ich darf mich in die Teilnehmerliste eintragen und erhalte mein Namensschild. Der junge, aufmerksame Mann schnappt sich sogar meinen Koffer und bringt mich zum Konferenzraum, in dem die Begrüßung stattfinden wird. „So, Mama, nun guck dich ein bisschen um; dort gibt es Getränke und Snacks“, sprach’s und kümmert sich um weitere Neuankömmlinge.


Um 13:30Uhr begrüßen die Veranstalter (Caritas, vertreten durch Sabine Depew) und Organisatoren die Teilnehmer und eröffnen das Barcamp mit der obligatorischen Vorstellungsrunde.

Jetzt wird es für mich spannend: Die Sessionplanung soll erfolgen.

Tatsächlich stehen Teilnehmer auf, schnappen sich Post-its und schreiben Schlagwörter drauf. Dann erläutern sie, worüber sie sprechen möchten, und die Runde wird gebeten, per Handzeichen mitzuteilen, wer Interesse daran hat.

Ruckzuck steht der Plan:


Tja, und nun beginnt die Qual der Wahl. In jedem Slot habe ich fünf Themen zur Auswahl. Was ist am interessantesten? Was verpasse dafür aber? Wenn eine Session doch nicht hält was sie (mir persönlich) verspricht, kann ich jederzeit wechseln. Ein kleiner Vorab-Trost.


Ich entscheide mich für „Kinder digital“ und bin richtig. Denn auch für eine Mehrfachoma stellt sich immer wieder die Frage, wo und in welchem Umfang Kinder digital unterwegs sein können. Was muss ich bedenken? Wie finde ich kindertaugliche Angebote? Wie kann ich fördern/gegensteuern?

In dieser Session fühle ich mich „sauwohl“, habe keinerlei Hemmungen mitzureden und habe wirklich das Gefühl des strapazierten Begriffs „Begegnung auf Augenhöhe“.



Kurzes Durchpusten, Abwägen was ich nun hören möchte. Wieder eine schwere Entscheidung, aber, welch eine Freude, mein Sohn interessiert sich auch dafür: „Machen uns Plattformen platt?“

Hier geht es um die Frage, ob die Caritas mit teilweise behäbigen Strukturen und Entscheidungswegen in der Lage sein kann, den einfach zu handhabenden Plattformen standzuhalten. Caritas stehe schließlich für Qualität, Individualität, Beratung, während die schnelle und günstige (billige) Verfügbarkeit  für viele eventuell wichtiger sein könnte.

Auch ein sehr spannendes Thema, bei dem ich aber lieber den Mund halte.

Meine letzte Session für diesen Tag: „Autismus"

Der Referent Aleksander Knauerhase ist Autist und stellt sehr eindringlich und anschaulich die Vorgehensweise und Abarbeitung der Informationen dar.Ich kann nur staunen: Eigentlich bin ich Autist. Wenn es aber darum geht, Nutzen daraus zu ziehen, stehe ich doof da…


Um 18:00 Uhr treffen wir uns im Foyer, von da aus geht es zu einer Führung durch das Regierungsviertel Bonns.

Die kühle Abendluft, die Bewegung und vor allem die unterhaltsamen, anekdotenreichen Erklärungen unseres Guides lassen auch dies zu einem Erlebnis werden.

Anschließend treffen wir uns noch alle bei einem Italiener „umme Ecke“ zum Abendessen.


Dienstag, 29. 11.2016, 10:00 Uhr

Die Sessionplanung für den heutigen Tag steht an. 4 Sessionslots sind für diesen Tag vorgesehen, und für mich kaum zu glauben, dass es noch so viele Themen gibt, dass er Plan voll wird. Als allerdings nur noch zwei Plätze frei sind und noch immer niemand etwas über Ehrenämter und Freiwilligendienste erzählen/diskutieren möchte, stürme ich nach vorne und frage, ob sich ein paar Leute mit mir darüber unterhalten möchten.


Die Session „Psychologie des Bösen“ zieht mich in seinen Bann. So deutlich vor Augen geführt zu bekommen wie systematisch „ganz normale Menschen“ zu „bösen Menschen“ manipuliert werden können, ist schockierend und hatte ich mir noch nie bewusst gemacht. Schwere Kost…


Unter der zweiten Session kann ich mir nicht wirklich was vorstellen, aber eine Teilnehmerin schwärmt mir bei einer Tasse Kaffee vor wie klasse Christian sei. Also gehe ich mal in den Raum Köln und lasse mich von Christian beeindrucken. „Digitale Kommunikation als Veränderungsimpuls für Träger“ nennt er seine Session, und ich bin richtig hingerissen, als er aus seiner Tätigkeit erzählt von eigentlich ganz einfachen Lösungen, die im Vorfeld jedoch große Befürchtungen ausgelöst hatten: Eine Lawine von Mehrarbeit für das Personal, Datenschutz, Persönlichkeitsschutz, Undurchschaubarkeit usw.

Viel zu kurz ist so eine Session!


Mittagspause. Wir essen gemeinsam im Restaurant des Instituts. Lecker!


Um 14:00 Uhr geht es mit der Session „Wie ich digital helfen wollte und niemand es verstand“ weiter. Die Referentin kann nicht persönlich anwesend sein und wird per Skype zugeschaltet.
Keine neue Art der Kommunikation per se, wohl aber zu ungewöhnlich, wenn jemand der helfen will, nur digital zur Verfügung stehen kann. So jedenfalls die Vermutung, denn Annette wollte digital helfen als die Flüchtlingswelle im letzten Jahr einen Höhepunkt erreicht hatte – und keiner wollte ihre Hilfe.


Jetzt steht eigentlich „meine“ Session auf dem Plan, aber leider kommt keiner. Deshalb gebe ich mir „Subsidari-was?“

Subsidari…. heißt ausgeschrieben …. Subsidiaritätsprinzip
Johannes stellt diese Frage und möchte gerne darüber diskutieren.
Was dieses Prinzip bedeutet, möchte ich auch gerne wissen und lasse mich aufklären:

Der Begriff der Subsidiarität entstammt der katholischen Soziallehre. Er steht für ein gesellschaftliches Prinzip, das auf Selbstbestimmung, Selbstverantwortung und Entfaltung individueller Fähigkeiten abstellt.

Hiernach sollen staatliche Institutionen nur dort eingreifen, wo die Möglichkeiten des Einzelnen oder einer kleinen Gruppe (Gemeinde, Familie) nicht ausreichen, die Aufgaben der Daseinsgestaltung zu lösen. Zudem soll dort, wo ein staatlicher Eingriff nötig ist, der Hilfe zur Selbsthilfe Vorrang vor unmittelbarer Aufgabenübernahme durch den Staat gegeben werden.

Wie dies in anderen Ländern geregelt ist, war für Skandinavien z.B. schnell geklärt; wie die Versorgung in südlichen Ländern geregelt ist, ist eher unklar. Wenn die Familie die sozialen Bedürfnisse nicht befriedigen kann, sieht es düster aus. Staatliche Hilfe ist sehr dürftig.

Welchen Vorteil das in Deutschland angewandte Subsidiaritätsprinzip hat, hat sich in der Flüchtlingskrise letztes Jahr gezeigt. Den Dschungel von Calais hätte es in Deutschland nicht gegeben.

Das ist jetzt nochmal schwere Kost zum Abschluss. Bin müde.


Um 16:00Uhr treffen sich nochmal alle (verbliebenen) Teilnehmer, die Veranstalter bedanken sich und bitten um Feedback.



Mein Fazit

Vom ersten Moment an fühlte ich mich wohl in dieser Runde, obwohl ich eindeutig aus dem Rahmen fiel: Ich bin weder digital noch sozial arbeitend. Ich bin überhaupt nicht mehr arbeitend, und ich war der einzige Silberkopf. Ich habe einen sehr deutlichen bayerischen Akzent und ich komme aus Buxtehude.

Trotzdem gehörte ich ganz selbstverständlich „dazu“.

Falls ich wieder Gelegenheit haben sollte, an einem Barcamp teilzunehmen, werde ich mich jedoch digital aufrüsten müssen. Mit meinem Galaxy S3 kann ich keinen Blumentopf gewinnen. Und mein Notizbuch lasse ich auch daheim und mache meine Aufzeichnungen digital.

Danke an alle, denen ich an diesen Tagen begegnen durfte!

Und danke an Johannes und Sascha



Informative und ausführliche Beiträge sind unter folgenden Links nachzulesen:

Alle Infos auf einen Blick
Das Barcamp "Soziale Arbeit 2016"



9.12.16 23:46

Letzte Einträge: Geschafft, Zum Jahreswechsel, Kalt und rau, Kalt und glatt, So war 2016

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Johannes / Website (10.12.16 11:58)
Ich fand besonders schön, dass du da warst! Auch aus egoistischen Gründen, sehe ja meine Mami so selten.